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Sucht man die Anfänge der NZB, muss man zurück ins Jahr 1968.

In besagtem Jahr, in welchem auch der Betraer Fasnetsumzug vom Fasnetsdienstag auf den Fasnetssamstag verlegt wurde, gründeten die Betraer Jahrgänge 1954/55 die Kameradschaft »Club '70«, auch bekannt unter dem Namen »Nauge-Verein«. Diese Kameradschaft beteiligte sich fortan alljährlich an den von der Gemeinde Betra veranstalteten Fasnetsumzügen.

 Meist geschah dies durch den Bau eines Fasnetswagens. Da man großen Gefallen an der Fasnet hatte, ergab es sich mehr oder weniger zwangsläufig, dass bereits 1971 vereinzelt über die Anschaffung von Holzmasken nachgedacht wurde. Im Jahre 1976 wurde dann von den noch verbliebenen »70ern«, die sich auch weiterhin regelmäßig an der Fasnet beteiligt hatten, konkret die Anschaffung eines Narrenkleides mit geschnitzten Holzmasken in Angriff genommen. In den folgenden Jahren zeigte sich jedoch auch, dass sich die Harmonisierung einer solchen Gruppe ohne feste Organisation nur schwerlich erreichen ließ.

gruendung web kleinSo traf sich am 13.03.1979 eine Interessentengruppe zu einer ersten Grundsatzbesprechung im Gasthaus »Adler«. Daraus ergab sich, dass bei der Gründungsversammlung am 14.04.1979, ebenfalls im »Adler«, die Narrenzunft Betra »Keaschmecker« aus der Taufe gehoben wurde.

 
Die Gründungsmitglieder waren :
Margarete Breisinger, Karin Hauser, Edelgard und Jürgen Hiener, Doris Hinger, Dieter Keck, Brigitte
und Gerold Knöpfle, Franz-Xaver Schiller, Karl-Eugen Schiller, Angelika und Karl-Heinz Steimle,
Sonja Straubinger, Margot und Roland Thomaier und Peter Werth.

hansel 3Der nächste Schritt war die Erschaffung einer Narrenfigur, welche künftig die Hauptfigur der Betraer Fasnet und des Vereins werden sollte. Da man eine ortsbezogene und bodenbeständige Figur schaffen wollte, kam man logischerweise auf den »Keaschmecker«. Der Heimatforscher Dr. Bruno Stehle schreibt im Hohenzollerischen Heimatbuch: „Die Betraer graben und verkaufen viel Kienholz, deshalb nennt man sie die Kienschmecker, mundartlich „Keaschmecker“. Der Kienspan wurde aus dem Wurzelstock der Kiefer geschnitten. Er ist sehr harzhaltig und war deshalb in früheren Zeiten in speziellen Halterungen als Beleuchtung sehr gut geeignet. Der harzhaltige Span hatte einen unverwechselbaren, gut riechenden Harzduft, weshalb man einen Betraer, der mit Kien handelte, schon von weitem schmecken (riechen) konnte. Im Ort noch geläufig ist der Spruch: „I ben vo Betra ond handle mit Kea, wellet´ern schmecka, wellet´ern sea, der isch no grasgrea!“

Diese künftige Betraer Hauptfigur konnte dann rechtzeitig vor der kommenden Fasnetssaison 1980 der Öffentlichkeit vorgestellt werden und wurde mit viel Lob bedacht. Auch der von Rolf Maier komponierte „Betraer Narrenmarsch“, sowie der erste „Bunte Abend“ im Gasthaus „Adler“ trugen zu einem gelungenen Start in die Fasnet bei.

 Die Resonanz bei der Betraer Bevölkerung auf den erstmalig von der Narrenzunft veranstalteten Umzug war so hervorragend, dass der Verein guten Mutes in die Zukunft blicken konnte, zumal die Mitgliederzahl der Narrenzunft weiterhin eine stark steigende Tendenz zeigte. So tauchte ganz zwangsläufig die Frage nach einer weiteren Maskengruppe auf.

hexe 4Aufgrund dieser Tatsache und dem enormen Zustrom an neuen Vereinsmitgliedern, sprich Hästrägern, beschloss man am 11. März 1980 neben dem »Keaschmecker« noch eine zweite Maskengruppe, nämlich die »Burgstallhexe« zu schaffen. Diese Gruppe wurde jedoch, um die Bedeutung der Hauptfigur der Betraer Fasnet, den »Keaschmecker« nicht zu untergraben, in ihrer Mitgliederzahl begrenzt.

Mit diesen beiden Maskengruppen und dem Wissen um eine sehr alte Betraer Fasnetstradition beantragte die NZB dann die Aufnahme in die Narrenvereinigung »Närrischer Freundschaftsring Neckar-Gäu«. Hierbei fungierte die Narrenzunft „Schneckengraber“ Dettingen als Patenzunft. Diese Aufnahme sollte die freundschaftliche Verbindung zu anderen Narrenzünften eröffnen, sowie auch das Betraer Fasnetsbrauchtum positiv beeinflussen.

1981 hatte die neue Hexengruppe ihren ersten Auftritt und die Betraer Fasnet war erstmalig am
»Schmotzigen« mit einer Schlüsselübergabe vor dem Rathaus eröffnet und dann am Fasnetsdienstag unter dem Wehklagen der Narren wieder verbrannt worden.

Hierbei wurde das von Fridolin Eberwein komponierte „Keaschmeckerlied“ von den Narren gesungen und ist seither die Betraer Fasnetshymne.

Am 6. Februar 1982 schlug dann die große Stunde: Die »Narrenzunft Betra e.V. Keaschmecker« wurde beim Ringtreffen in Bierlingen offiziell in den »Närrischen Freundschaftsring Neckar-Gäu« aufgenommen.
Zu den Klängen des Betraer Narrenmarsches stellte sich die NZB mit ihrem Hanseltanz dem närrischen Publikum vor. Mit dieser Aufnahme war mit Sicherheit ein Meilenstein in der Betraer Fasnet gesetzt worden.


Floesser2Bei weiteren Nachforschungen in der Geschichte Betras stellte sich heraus, dass nicht nur der Kienverkauf und die Landwirtschaft für den Lebensunterhalt Betras sorgten, sondern auch die Flößerei.
Dieser Beruf war in Betra sehr verbreitet und liefert somit den historischen Hintergrund. Im Jahr 1899 wurde das letzte Neckarfloß auf die Reise geschickt bzw. geflößt. Der Besitzer dieses Floßes, der Floßherr, sowie die meisten Flößer waren auch bei dieser letzten gewerblichen Floßfahrt Betraer Flößer.

So kam man im März 1983 überein, dass dieser alte Beruf in einer Betraer Flößermaske weiterleben sollte und gründete den »Flößer« als dritte Maskengruppe. Es sollte aber noch bis ins Jahr 1989 dauern bis der Flößer die Narrenzunft als weitere Figur bereicherte.

1.pdf008 3aEin Novum für Betra ereignete sich dann 1985. Die Schweizer Guggenmusik »Tellsymphoniker« aus Bürglen am Vierwaldstätter See war zum ersten Mal in Betra zu Gast. Hieraus entwickelte sich eine überaus innige Freundschaft, die sich auch außerhalb der Fasnetszeit fortsetzte und bis heute Bestand hat.

Eine weitere Neuerung wurde am Fasnetssamstag des Jahres 1987 eingeführt. Die NZB verteilte am Morgen vor dem Umzug eine Narren-, sprich »Flädlesuppe« an die Betraer Einwohnerschaft.

Die »Schlüsselübergabe« wurde zur »Machtübernahme« abgeändert, bei der zum ersten Male eine Narrentaufe abgehalten und ein Narrenbaum gestellt wurde. An diesen Narrenbaum hängen die neuen oder das notwendige Alter erreichenden Hästräger bei der Narrentaufe einen Kienspan. Mit dieser Zeremonie versprechen sie, die Narrengesetze stets zu achten.

Ebenfalls sehr ermutigend für die NZB war die 1988 wieder eingeführte Kinderfasnet am Fasnetsdienstag. Nach einem Kinderumzug, an dem der gesamte Betraer Narrensamen lebhaft und begeistert mitmacht, wird mit einer Fasnet für die Kinder der vorletzte Akt der Fasnetssaison eingeläutet. Mit einem eigenen Umzug durch den Ort und der anschließenden Kinderfasnet kommen auch die Jüngsten auf ihre Kosten.

Als weiterer Höhepunkt im selben Jahr darf auch die Wiedereinführung des Betraer Bajass eingestuft werden. Schon in den 1920er Jahren, vermutlich aber viel früher war ein sogenannter Bajass eine feste Figur in der Betraer Fasnet. Bei allen Fasnetsveranstaltungen war er mit von der Partie und neckte die Leute, zog durch den Ort, hielt ihnen den Spiegel vor oder verkündete ihre Missgeschicke.

Nach alten Fotos und Erzählungen wurde diese Traditionsfigur neu gestaltet und führt nun den Betraer Umzug an und ist wieder bei allen Veranstaltungen der Narrenzunft im Ort präsent.

FelbeIm selben Jahr 1989, in welchem also der Flößer seinen ersten Auftritt hatte, kam aus dem benachbarten Isenburg eine Anfrage. Eine Gruppe junger Isenburger hatte eine Maskengruppe gegründet und wollte sich der Narrenzunft Betra anschließen. In Isenburg wurden in früherer Zeit Korbwaren, so genannte „Kratten“ hergestellt, weshalb die Isenburger auch „Krattenmacher“ genannt werden. Die benötigten Weidenruten wurden vorwiegend von Frauen und Kindern am Isenburger Weiher oder Tälebach geschnitten. So manche Frau oder Kind bekam es dabei mit der Angst zu tun, weil sie in den Nebelschwaden allerhand Geister und Gestalten zu erkennen glaubten. Daraus entstand die Geschichte vom „Felbenschreck“ –„Felbe“ ist ein altes schwäbisches Wort für die Kopf­weide.

Da zwischen den Mitgliedern der Narrenzunft und der Isenburger Maskengruppe schon länger intensive Freundschaftsbande bestanden, kam man überein, den »Felbenschreck« als weitere Maskengruppe aufzunehmen, was sich im Nachhinein als äußerst positiv für beide Seiten herausstellte.

Bei der 1200 Jahrfeier der der Gemeinde Betra im Jahre 1986 wurde man dann wieder auf die Trachten des Betraer Trachtenvereins, der sich Ende der 1950er Jahre aufgelöst hatte, aufmerksam. Wurden diese Trachten, die von der Ortschaftsverwaltung aufbewahrt wurden, doch von den Gründungsmitgliedern der Narrenzunft schon einmal getragen. Und zwar 1979 beim Umzug des Musikvereins „Harmonie“ anlässlich dessen 50. Geburtstages.

Durch Gespräche und Verhandlungen mit der Ortschaftsverwaltung erreichte man schließlich, dass die um die Jahrhundertwende entstandenen Trachten an die Narrenzunft übergeben wurden und so innerhalb der Zunft die Trachtengruppe entstand. So begannen einige Vereinsmitglieder Trachtentänze zu proben und traten in den Betraer Trachten bei verschiedenen Veranstaltungen auf.

Über die Jahre hinweg erwies es sich jedoch als äußerst schwierig, die Belange der Narrenzunft und der Trachtengruppe zu in Einklang zu bringen. Schlussendlich beschloss man 1998 sich von der Trachtengruppe zu trennen und formte diese zu einem eigenständigen Verein um.


46 1So waren nun die Eckpfeiler der Narrenzunft und somit der Betraer Fasnet fest verankert, als es 1991 auch Betra traf: Die Fasnet wurde wegen des Golfkrieges abgesagt. Da auch viele Betraer diese Entscheidung der Fasnetsoberen nicht guthießen, sie aber mittragen mussten, entschloss man sich, die Tellsymphoniker in Bürglen zu besuchen. So kam man auf Umwegen doch noch zur Fasnet. Im selben Jahr wurde dann mit dem Bau der Zunfteigenen Lagerhalle begonnen, welche nach 4-jähriger Bauzeit fertiggestellt wurde.


Da sich schon bald herausstellte, dass es ziemlich schwierig ist, für all die Veranstaltungen und vor allem die Umzüge eine geeignete Musikkapelle zu finden, kam immer mehr der Gedanke, sprich Wunsch nach einer zunfteigenen Narrenkapelle auf. Nachdem viele Jahre alle Versuche eine eigene Musikkapelle zu gründen scheiterten, gelang dies 1994 endlich. Die Narrenkapelle »Kandldabber« hatte als vereinseigene Narrenkapelle an der Fasnet 1995 ihren ersten Auftritt. Seither umrahmt sie alle Auftritte der NZB im Ort, begleitet sie zu den auswärtigen Umzügen und Veranstaltungen und begeistert dort das närrische Publikum.

AlteEs gibt ihn wieder...so könnte die Beschreibung des Betraer Schantle beginnen. Denn  mit dem Schantle hat die Narrenzuft Betra wieder eine Fasnetsfigur ins Leben gerufen, die schon einmal während der Fasnet durch die Straßen Betras gerannt ist...
Gleich nach dem 2.Weltkrieg erwachte wie in vielen anderen Ortschaften unserer Gegend auch in Betra die Fasnet zu neuem Leben. Maskenbälle und Umzüge wurden veranstaltet. Aus dieser Zeit ist nun eine Holzmaske erhalten geblieben, die viele Jahre verschollen war und nun samt Maskentuch wieder gefunden wurde. Anhand dieses Fundes, sowie alter Fotos wurde genau nach diesem Vorbild die Schantle-Maskengruppe als 5. Gruppe aufgebaut. Seit 2009 bereichert sie den örtlichen Umzug und trägt ihren Teil dazu bei, die alte Fasnetstradition am Leben zu halten, was ja Ziel und Sinn der Narrenzunft im Allgemeinen ist.

strohbaerZwar keine  Maskengruppe der Narrenzunft aber nicht unerwähnt bleiben darf natürlich auch eine der ältesten Fasnetsfiguren des hiesigen Raumes und somit auch der Betraer Fasnet, nämlich der „Strohbär“. Hier handelt es sich um eine Person, die in aufwändiger Arbeit von mehreren Helfern komplett in Stroh eingebunden wird. Geführt wird er während des Umzugs von einem „Treiber“ an einem Seil.

In früheren Zeiten war Stroh natürlich überall und jederzeit vorhanden, stellte auch finanziell kein Problem dar und war deshalb sicher für die Verbreitung und Beliebtheit des Strohbären mit entscheidend.

In der heutigen Zeit wird es aber immer schwerer, Stroh in der geeigneten Länge zu finden und auch immer weniger Leute sind leider bereit, sich der Tortur des Einbindens samt Umzuglaufen zu stellen. Deshalb treibt der Strohbär auch nur noch in unregelmäßigen zeitlichen Abständen bei den Betraer Umzügen sein Unwesen.